Der erste Generationengerechtigkeits-Preis 2001/2002 beschäftigte sich mit der Fragestellung: „Wie kann ökologische Generationengerechtigkeit im Grundgesetz stärker verankert werden als bisher?“ Hintergrund der Ausschreibung war die ungeklärte Vertretung der künftigen Generationen in der deutschen Demokratie. Das Grundgesetz definiert nur die Rechte der bereits Geborenen, also der heute lebenden Generationen. Der Schutz des Grundgesetzes wirkt nicht in die Zukunft. Es ist ethisch nicht vertretbar, wenn heute lebende Generationen die ökologischen und ökonomischen Ressourcen des Landes aufbrauchen, so dass für spätere Generationen nichts mehr übrig bleibt. Deshalb ist es notwendig, die gefährdeten Rechte nachrückender Generationen durch eine Weiterentwicklung des Grundgesetzes zu garantieren.

Der Wettbewerb stand unter Schirmherrschaft der Bundesministerin der Justiz, Frau Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin, die den drei Gewinnern des Wettbewerbs ein Praktikum im Bundesministerium der Justiz anbot.

Jury

Die Jury bestand aus: Ministerialdirektor Dr. Lutz Gusseck, Prof. Dr. Joachim Lege, Prof. Dr. Helmuth Schulze-Fielitz, Prof. Dr. Kay Waechter und Prof. Dr. Rainer Wahl.

Siegerarbeiten

1. Plätze (zweimal je 3000€): Doris Armbruster, Anemon Bölling

2. Platz (2000€): Dr. Johannes Rux

Die Arbeiten wurden in gekürzter Fassung im „Handbuch Generationengerechtigkeit“ veröffentlicht.

Preisverleihung

Die Preisverleihung fand im Rahmen des Symposiums „Was ist Generationengerechtigkeit?“ am 5.-7. Juli 2002 im Schloss Tutzing statt.Etwa 80 Wissenschaftler, Journalisten und weitere Interessierte folgten der Einladung, die spannende Inhalte versprach: Podiumsdiskussionen über die Verankerung von Generationengerechtigkeit im Grundgesetz sowie über die Definition des Begriffs im Allgemeinen, ein breites Workshopangebot und die Verleihung des ersten Generationengerechtigkeits-Preises.

sym_2002_4Am ersten Tag überraschte die Teilnehmer und auch das Organisationsteam vor allem das wunderbar sonnige Wetter und die schöne Umgebung des Tagungsorts. Das Schloss Tutzing liegt direkt am Starnberger See, und in den nächsten Tagen suchten Praktikanten und Professoren gleichermaßen das erfrischende Nass auf. Nach einer thematischen Einführung durch Jörg Tremmel begann die erste Podiumsdiskus­sion zum Thema „Generationengerechtigkeit aus der Sicht verschiedener Disziplinen“. Dabei vertrat die juristische Sicht Prof. Dr. Kay Waechter (Uni Hannover), die ökonomische Dr. Herwig Unnerstall (Uni Leipzig), die philosophische Prof Dr. Christoph Lumer (Uni Osnabrück) und Prof Dr. Grottian (FU Berlin) sprach als Politologe. Als Moderator fungierte Prof Dr. Ortwin Renn, Akademie für Technikfolgenabschätzung. Am Anfang drehte sich die Diskussion vor allem um die konkrete Umsetzung von Generationengerechtigkeit, doch schnell ging es um das Absenken des Wahlalters und die daraus entstehende Frage, was die Jugend daran hindert, sich stärker in die Politik und die Zivilgesellschaft einzubringen. Bald schon verlagerte sich die Diskussion vom Podium ins Publikum und ältere sowie jüngere Teilnehmer diskutierten angeregt über Jugendbeteiligung, die „Null-Bock-Generation“ und fehlende Offenheit der im System etablierten Erwachsenen. Auch die Bildungspolitik und „PISA-Misere“ wurde als Thema aufgegriffen.

Nach sehr wenig Schlaf – die Sperrstunde an der Bar wurde für uns verlängert – versammelte sich die Teilnehmerschar bereits um 9 Uhr wieder, um den englischsprachigen Vortrag von dem aus den USA eingeflogenen Dr. Clark Wolf (University of Georgia) zu hören. Als Philosoph sprach er über „Intergenerational Justice in the Internati­onal Debate“ und erhielt großen Beifall. Anschließend hatten die Teilnehmer Gelegenheit, Workshops zu den Themen Bildungs-, Kultur- und Verkehrspolitik, Ökologie und Global Governance zu besuchen. Samstagnachmittag fand die feierliche Überreichung des Generationengerechtigkeits-Preises. Bundesjustiziministerin Herta Däubler-Gmelin, unter deren Schirmherrschaft der Preis stand, wurde von Ministerialdirektor Dr. Lutz Gusseck vertreten, der die Urkunden überreichte.

sym_2002_3Beim letzten Programmpunkt – einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie kann man Genera­tionengerechtigkeit stärker in die Politik verankern?“ – konnten sich die beiden ersten Preisträgerinnen als kompetente Sachverständige neben den geladenen Politikern behaupten. Herr Woestmeyer vertrat hierbei die FDP, Franz Obermeier die CSU und Jerzy Montag die Grünen. Moderiert wurde die Diskussion von Prof. Dr. Dr. Radermacher.

Nach diesem letzten Programmpunkt blieben die meisten Teilnehmer und Referenten noch bis zum nächsten Tag, genossen die herrliche Schlossatmosphäre, so manches Bier und interessantes Gespräch.

Wir bedanken uns bei der Haniel-Stiftung, der Zeit-Stiftung und der Stiftung Mitarbeit für die finanzielle Unterstützung.