Mehr Alte – wenige Junge:
Wo ist eine Machtverschiebung zwischen den Generationen schon heute sichtbar und wie kann sie ausgeglichen werden?

Seit langem zeichnet sich der demografische Wandel klar ab: Wir werden weniger und älter. Die aktuelle Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes kommt für Deutschland zu dem Ergebnis, dass die Bevölkerung bis 2060 auf 65 Millionen Menschen zurückgehen wird. Auf 100 Erwerbstätige werden dann 60 Seniorinnen und Senioren kommen. Jeder Dritte wird über 65 Jahre und nur noch etwa jeder Sechste unter 20 Jahre alt sein; heute leben noch ungefähr gleich viele unter 20jährige und über 65jährige in Deutschland.

Bereits im April 2008 warnte der ehemalige Bundespräsident Roman Herzog vor einer „Rentnerdemokratie“ in Deutschland, um auf die Problematik von immer mehr älteren Wählern hinzuweisen. Aber könnte aus der deutschen Demokratie tatsächlich eine „Gerontokratie“ werden, in der die Jungen nichts mehr zu sagen haben? Der Demografiepreis 2010/11 fragte nach Antworten: Werden Wahlen und Wahlkämpfe durch den demografischen Wandel beeinflusst? Konnte man diesen Trend bereits bei der Bundestagswahl 2009 erkennen, als im Vorfeld der Wahl eine Rentengarantie für die älteren Menschen ausgesprochen wurde? Auch in den Parteien stellt sich die Frage, ob und wie die Alterung in der Gesellschaft sich in ihren Programmen und ihrer Besetzung von Parteigremien inzwischen abzeichnet. Wie können Politik und Gesellschaft auf diese Machtverschiebung reagieren? Gesucht werden innovative Lösungsvorschläge, die das Potenzial haben, eine politische Debatte anzustoßen.

 

Siegerarbeiten

1. Preis (6.000 Euro): Bettina Munimus (Universität Kassel): „Von einer quantitativen Mehrheit zur qualitativen Macht? Ein Untersuchung der Interessenvertreter der älteren Generation“
Siegerarbeit und Präsentation

2. Preis (4.000 Euro): Cornelia Wiethaler (Universität Heidelberg): „Die Idee der Gerechtigkeit nach Amartya Sen in der Anwendung auf das deutsche Sozialsystem – drei Skizzen für ein lokales Verantwortungsmodell“
Siegerarbeit und Präsentation

 

Preisverleihung und Symposium

scheckuebergabe_2012Anlässlich der Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Demografie-Preises für NachwuchswissenschaftlerInnen fand am 16. Januar 2012 ein Symposium in der Landesvertretung Baden-Württemberg in Berlin statt. Das Preisgeld wurde von der Stiftung Apfelbaum ermöglicht.

In Workshops und Podien wurde diskutiert, mit welchen Strategien Politik, Gesellschaft und Wirtschaft auf die neuen Mehrheitsverhältnisse reagieren können. Über 70 Teilnehmer aus Politik, Wissenschaft und interessierter Öffentlichkeit beteiligten sich an der Veranstaltung.

Die Thesen und Vorschläge der Preisträgerinnen wurden Ausgangspunkt von kontroversen Diskussionen in Fachgruppen und auf dem Podium. Auch bestehende Reformansätze der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen, wie das Wahlrecht ohne Altersgrenze, wurden im Lichte neuer Erkenntnisse aufgegriffen und debattiert. Die Veranstaltung wurde gefördert und ermöglicht durch die Robert-Bosch-Stiftung.

Mehr Informationen:

podium_2012Laudatio von Carsten Köppl, Behördenspiegel, Mitglied der Jury

Protokoll Workshop „Interessenvertreter der Alten“ (Dr. Bettina Munimus)

Protokoll Workshop „Lokale Gerechtigkeitsmodelle“  (Cornelia Wiethaler)

Protokoll Workshop „Jugendquoten“ (Jun.-Prof. Dr. Dr. Jörg Tremmel)

Podiumsdiskussion „Wenige Junge, viele Alte – Herausforderungen des demografischen Wandels“ mit Nadine Schön, MdB CDU; Franz Müntefering, MdB SPD; Michael Stage, future! Die junge Alternative;  Harald Wilkoszewski, OECD. Moderation: Manuel Hartung, Die ZEIT. Protokoll der Podiumsdiskussion