Nach zwei Jahren intensiver Planung, Gesprächen mit Expert:innen, Routenplanung und Materialentwicklung ist es nun soweit: Der fünfte Walkshop der Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen (SRzG) ist erfolgreich zu Ende gegangen und wir blicken erfüllt und inspiriert zurück. Vom 26. Juni bis zum 1. Juli begab sich eine internationale Gruppe junger Menschen auf eine 63,5 km lange Wanderung durch die eindrucksvolle Landschaft rund um den Loch Lomond in Schottland. Ziel war es, gemeinsam über nukleare Risiken, Friedenspolitik und generationenübergreifende Gerechtigkeit nachzudenken. Und zwar dort, wo Politik und Protest direkt aufeinandertreffen: nur wenige Kilometer von der britischen Atomwaffenbasis Faslane entfernt.
Die Route führte uns vom offiziellen Startpunkt des West Highland Way in Milngavie über Drymen und Balloch bis an die Küste nach Helensburgh, und wieder nach Glasgow zurück, begleitet von täglichen Audio-Lerneinheiten, moderierten Gruppengesprächen und einer Reihe eindrücklicher Begegnungen. Themen wie die Legitimität atomarer Abschreckung, das Demokratiedefizit in nuklearen Entscheidungsprozessen, nukleare Unfälle, die ökologische und soziale Folgewirkung von Atomtests sowie die Verwobenheit von Protest und Geschlechterverhältnissen standen im Zentrum der Diskussionen. Zusätzlich fanden an drei Abenden digitale Diskussionsrunden mit geladenen Expert:innen statt. Die Themen: „Rüstungskontrolle in einer zunehmend nationalistischen Welt“, „Nukleare Risiken für zukünftige Generationen“ und „Schottland und die britische Nuklearpolitik“. Die Veranstaltungen öffneten Raum für vertiefende Analysen und ermöglichten auch externen Teilnehmenden den Zugang zu Fachwissen und engagierten Perspektiven. Die Webinare wurden von uns selbst konzipiert, organisiert und moderiert, mit Gästen von Organisationen wie ICAN, FAS, Carnegie China, UNIDIR, dem Global Catastrophic Risk Institut, und den Universitäten von Nottingham, York, und Sciences Po. Wir sind stolz darauf, wie viel Tiefe und Vielstimmigkeit diese Diskussionen ermöglicht haben – und dass sie nun auch online auf unserem YouTube-Kanal verfügbar sind.
Am vierten Tag besuchten wir das Faslane Peace Camp, das seit über vierzig Jahren als Mahnmal und Ort des Widerstands gegen die britische Atomwaffenpolitik dient. Aktivist:innen vor Ort gaben uns einen Einblick in ihren Alltag, ihre Motivation und die Geschichte des Camps.
Am fünften Tag reisten wir zur Glasgow Women’s Library, wo uns Dr. Catherine Eschle (University of Strathclyde) sowie Jenny Noble und Dr. Caroline Gausden durch die Ausstellung For Peace! führten. Im Fokus standen hier die feministischen Protestbewegungen gegen Atomwaffen, allen voran das Greenham Common Peace Camp, sowie Geschlechterrollen in der öffentlichen Wahrnehmung von Widerstand. Auch der Begriff des „nuklearen Kolonialismus“, also die anhaltenden Folgen von Atomtests im Pazifikraum, wurde diskutiert.
Die Gruppe setzte sich aus Teilnehmenden aus neun verschiedenen Ländern zusammen, mit Hintergründen in Völkerrecht, Friedens- und Konfliktforschung, internationaler Politik, Geschichte und Aktivismus. Trotz (oder gerade wegen) dieser Vielfalt entstand eine bemerkenswerte Gesprächskultur: offen, interessiert, interdisziplinär. Nicht selten wurden Audio-Lektionen am Abend noch stundenlang beim Abendessen weiterdiskutiert – manchmal auf matschigen Wanderwegen, manchmal bei Sonnenuntergang am Seeufer.
Jetzt online: Unser YouTube-Video zum Walkshop 2025! Das Abschlussvideo dokumentiert die gesamte fünftägige Reise: mit Eindrücken von den täglichen Wanderungen, den Audio-Lerneinheiten, Gruppengesprächen, den drei öffentlichen Abendveranstaltungen mit internationalen Expert:innen und unseren Besuchen der beiden Lernstationen. Auch einige unserer Teilnehmenden kommen zu Wort und teilen ihre persönlichen Eindrücke und Erkenntnisse. Hier geht’s zum Video. Wir hoffen, es vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Geist, den Gesprächen und den Themen des diesjährigen Walkshops.
Ein riesiges Dankeschön geht an unsere engagierten Teilnehmenden, unsere externen Expert:innen, Partnerorganisationen und Unterstützer:innen, die dieses Projekt mit Leben gefüllt haben.
Ein besonderer Dank gilt der Stiftung Apfelbaum, ohne deren großzügige Förderung dieses Projekt nicht hätte stattfinden können.
Wir freuen uns jetzt schon auf zukünftige Walkshops, neue Routen und frische Ideen. Denn der Weg zu einer friedlicheren Welt ist lang, aber er beginnt oft mit einem ersten Schritt.